Boomzeit: Endlich mehr Firmenansiedlungen im Kreis

Der Aufschwung ist da - nun auch im Lauenburgischen.
2006 haben sich wieder deutlich mehr Unternehmen angesiedelt.

VON NORBERT DREESSEN
RATZEBURG - Gestern legte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Herzogtum Lauenburg (WFL) ihre Bilanz fürs vergangene Jahr vor, und sie fiel durchweg positiv aus. "Endlich geht ein Ruck durch Deutschland, und er zeigt auch in unser Region Wirkung", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Matthias Esche. 2006 haben durch die Arbeit der WFL 27 Unternehmen immerhin 21,5 Millionen Euro aufgewandt, um sich neu anzusiedeln oder ihren Betrieb zu erweitern. Es sei immerhin das höchste Investitionsvolumen seit 2001 gewesen, fügte er hinzu. In den Jahren dazwischen habe "die Konjunkturdelle den Kreis hart getroffen".
"Wir haben 2006 wieder erfahren, dass wir als regionale Gesellschaft sehr gefragt sind. In über 200 Beratungsgesprächen konnte die WFL-Mannschaft ihre Kompetenz unter Beweis stellen", so der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Ernst du Maire.
Besonders hob du Maire die gute Zusammenarbeit mit Hamburg hervor: "Da wird eine kluge Politik gemacht, davon profitiert auch der Süden unseres Kreises." Sollte sich eine ähnliche Aufbruchstimmung auch in Lübeck breit machen, würde das sicher dem Norden des Kreises Herzogtum Lauenburg förderlich sein.



Sie präsentierten gestern die aktuelle WFL-Bilanz: der Aufsichtsratvorsitzende Dr. Matthias Esche (r.), sein Stellvertreter Ernst du Maire (l.) und der Geschäftsführer Werner Hesse.
Foto: NORBERT DREESSEN
"Die Strukturschwäche im Nordkreis weiter abzubauen, bleibt unser Ziel", so du Maire. "2006 war für uns ein gutes Jahr, 2007 könnte noch besser werden", erklärte Werner Hesse, Geschäftsführer der WFL. Noch seien in diesem Jahr keine größeren Ansiedlungskontrakte unterschrieben worden, "aber wir haben schon einige Nägel eingeschlagen." Genug Gewerbegrundstücke für interessierte Firmen seien jedenfalls im Kreis vorhanden, "zumindest für die nächsten zwei, drei Jahre". Dann müsse man neu planen, was im Lauenburgischen meist kein großes Problem sei. Hesse: "Wir haben zum Glück im Kreis und in den Kommunen wirtschaftsfreundliche Verwaltungen." So werde kein Unternehmen durch allzu viel Bürokratie abgeschreckt.
Angeworben werden sollen Firmen unter anderem durch komplett neu gestaltete Informationsbroschüren, für die sich Unternehmer aus dem Kreis als "Fotomodelle" zur Verfügung stellten. Hesse dazu: "Sie sprechen als Botschafter für den Kreis und die WFL. Jetzt können wir nicht nur mit guten Argumenten, sondern auch mit erfolgreichen Personen deutlich machen, wie vorteilhaft unser Standort ist." An sieben Orten im Kreis sind derzeit noch größere Gewerbeflächen der WFL verfügbar.

Fast 500 neue Arbeitsplätze geschaffen

Durch Neuansiedlung, Umsiedlungen und Betriebserweiterungen sowie durch Existenzgründungen haben die von der Wirtschaftsförderung im Kreis Herzogtum Lauenburg (WFL) betreuten Unternehmen im vergangenen Jahr kreisweit 498 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das ist die höchste Zahl seit dem Jahr 2000 und die zweithöchste seit 1992. Den niedrigsten Zu- wachs an Arbeitsplätzen, nämlich jeweils unter 200, gab es in den Jahren 2002 bis 2004. Dann erfolgte eine Trendwende, die hoffentlich anhält.
Die aktuelle Arbeitslosenquote im Kreis Herzogtum Lauenburg ist auf 8,3 Prozent gesunken. Damit liegt sie zehn Prozent unter dem Bundes- und sogar 20 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Seit 1989 hat sich die Zahl der Arbeitsplätze im Lauenburgischen um fast 13 Prozent erhöht. Nur zwei Kreise Schleswig-Holsteins, nämlich Stormarn und Segeberg, haben in den vergangenen Jahren eine noch bessere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt aufzuweisen. In einigen Kreisen, aber auch in der Großstadt Lübeck ging die Zahl der Arbeitsplätze im selben Zeitraum sogar zurück. nd

Lübecker Nachrichten, vom 24.02.2007